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Der neue Geschäftspartner klingt perfekt. Bis du anfängst, ihn "richtig" zu googeln.

Due Diligence für KMU. Wie du neue Geschäftspartner, Gewerbemieter und Restaurantbetreiber richtig prüfst, Firmenverflechtungen und Konkursrisiken erkennst und mit Google, Moneyhouse, Handelsregister, SHAB, Wayback Machine, Rezensionen, Social Media und ausländischen Firmenregistern Red Flags findest – bevor du Zeit, Geld und Nerven verlierst.


Ein neuer Auftrag. Ein neues Projekt. Ein sympathischer Geschäftspartner.

Die Website sieht gut aus. Die Story klingt überzeugend. Die nächsten Standorte seien schon geplant, weitere Kooperationen im Gespräch und das Geschäft werde bald richtig skalieren.

Klingt nach einem guten Deal.

Bis du anfängst, richtig zu googeln.

Nicht nur den Firmennamen.

Sondern die Personen dahinter.

Frühere Firmen.

Alte Firmennamen.

Adressen.

Telefonnummern.

Google-Bewertungen.

Moneyhouse.

SHAB.

Alte Websites.

Social-Media-Accounts.

Google Maps.

Street View.

Und vielleicht sogar Unternehmensregister im Ausland.

Plötzlich sieht die Geschichte möglicherweise etwas anders aus.

Genau darum geht es bei Due Diligence: Bevor du Geld, Zeit oder Ressourcen in einen neuen Geschäftspartner investierst, prüfst du, mit wem du es tatsächlich zu tun hast.

Und dafür braucht es bei kleinen und mittleren Unternehmen nicht zwingend einen Wirtschaftsprüfer oder einen teuren Datenraum.

Manchmal beginnt gute Due Diligence mit etwas erstaunlich Einfachem:

richtig googeln.


Warum ich Geschäftspartner heute früher prüfe

Die meisten beginnen mit einer vertieften Recherche erst dann, wenn etwas schiefläuft.

Eine Rechnung bleibt offen.

Antworten kommen nicht mehr.

Termine verschieben sich.

Die angebliche Finanzierung ist plötzlich noch nicht ganz geklärt.

Der Ansprechpartner ist „gerade nicht erreichbar“.

Und irgendwann stellt man sich die Frage:

Mit wem habe ich da eigentlich einen Vertrag abgeschlossen?

Das Problem ist: Zu diesem Zeitpunkt hast du möglicherweise bereits gearbeitet, Leistungen eingekauft oder Geld vorgestreckt.

Heute sehe ich es deshalb anders.

Je grösser mein finanzielles Risiko, desto früher beginne ich mit der Prüfung.

Denn die bessere Frage lautet nicht:

„Wie viel Zeit kostet mich die Recherche?“

Sondern:

„Wie viel Geld, Zeit und Nerven kostet es mich, wenn ich nicht recherchiere?“


Due Diligence ist nicht nur etwas für Konzerne

Bei Due Diligence denken viele an Unternehmensübernahmen, Anwälte und Millionenbeträge.

Dabei ist das Grundprinzip viel einfacher:

Prüfe die Fakten, bevor du dich bindest.

Das gilt auch, wenn du:

einen neuen Grosskunden annimmst,

Geschäftsräume an jemanden vermieten möchtest,

eine Kooperation planst,

gemeinsam ein Restaurant eröffnen willst,

als Agentur erhebliche Vorleistungen erbringst,

mit einem neuen Lieferanten arbeitest,

oder gemeinsam mit jemandem ein Unternehmen aufbauen möchtest.

Je stärker dein Geld, deine Zeit oder deine Reputation von dieser Person abhängen, desto sinnvoller ist eine Prüfung.


Das Problem: Nicht jeder problematische Geschäftspartner hat schon eine sichtbare Vorgeschichte

Natürlich kann keine Recherche in die Zukunft schauen.

Wenn jemand erst gerade beginnt, schlecht zu wirtschaften oder Zahlungen hinauszuschieben, gibt es vielleicht noch gar keinen Konkurs.

Keine Liquidation.

Keine lange Firmenhistorie.

Keine zehn negativen Bewertungen.

Trotzdem zeigen sich Probleme oft früher.

Nicht unbedingt im Handelsregister.

Sondern im Verhalten.


Red Flag Nummer 1: Kein vernünftiger Businessplan

Gerade bei grösseren Projekten interessiert mich heute sehr früh:

Gibt es überhaupt einen belastbaren Businessplan?

Nicht nur eine Präsentation mit Logo, Bildern und grossen Visionen.

Sondern Zahlen.

Wie hoch ist die Investition?

Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten?

Welche Personalkosten entstehen?

Wie hoch ist die Miete?

Wie viel Umsatz wird benötigt, um kostendeckend zu arbeiten?

Wie lange reicht die Liquidität?

Wer finanziert die Anlaufphase?

Welche Reserven gibt es?

Was passiert, wenn die Eröffnung drei Monate später erfolgt?

Wenn jemand ein neues Restaurant eröffnen möchte, aber nicht erklären kann, welchen monatlichen Mindestumsatz er braucht, werde ich vorsichtig.

Nicht weil diese Person automatisch unseriös ist.

Sondern weil fehlende Planung irgendwann häufig dazu führt, dass andere das Projekt mitfinanzieren.

Zum Beispiel:

der Vermieter,

der Lieferant,

der Handwerker,

die Agentur,

der IT-Dienstleister,

oder die Mitarbeitenden.

Und zwar unfreiwillig über offene Rechnungen.


Wenn die Vision riesig ist, aber die Zahlen fehlen

Viele problematische Projekte wirken am Anfang erstaunlich ähnlich.

Die Vision ist gross.

Die Fakten sind dünn.

Es wird über Expansion gesprochen, bevor der erste Standort funktioniert.

Über neue Filialen, bevor die Finanzierung des aktuellen Projekts klar ist.

Über Marketingbudgets, obwohl bestehende Kosten bereits schwierig werden.

Über Investoren, die „bald einsteigen“.

Und sobald man konkrete Zahlen sehen möchte, wird es schwammig.

Dann kommen Sätze wie:

„Das kommt schon.“

„Nach der Eröffnung läuft das.“

„Wir haben genug Kunden.“

„Das nächste Projekt finanziert das.“

Oder:

„Zahl das zuerst einmal, wir regeln das später.“

Spätestens hier sollte man genauer hinschauen.


So prüfe ich einen neuen Geschäftspartner digital

Der interessante Teil aus IT-Sicht ist:

Für eine erste Prüfung braucht es oft keine Spezialsoftware.

Sehr viele Informationen sind öffentlich verfügbar.

Google.

Moneyhouse.

ZEFIX.

SHAB.

Wayback Machine.

Google Maps.

Google Street View.

Social Media.

Rezensionen.

Webseiten.

Ausländische Unternehmensregister.

Und zunehmend KI als Rechercheassistent.

Entscheidend ist nicht ein einzelnes Tool.

Entscheidend ist, wie du die Informationen miteinander verknüpfst.


1. Google – aber richtig

Viele geben den Firmennamen bei Google ein, sehen die Website und sind fertig.

Das ist keine Due Diligence.

Google wird erst interessant, wenn du gezielt suchst.

Ein einfacher Trick sind Anführungszeichen.

Statt:

Max Mustermann

suche ich:

"Max Mustermann"

Damit suche ich nach genau dieser Wortkombination.

Danach kombiniere ich:

"Max Mustermann" "Firma ABC"

"Max Mustermann" Geschäftsführer

"Max Mustermann" Konkurs

"Max Mustermann" Liquidation

"Firma ABC" Erfahrungen

"Firma ABC" Bewertungen

"Firma ABC" Konkurs

"Musterstrasse 123"

Auch Telefonnummern können interessant sein:

"044 123 45 67"

Oder E-Mail-Adressen:

Weitere nützliche Operatoren:

site: – nur innerhalb einer bestimmten Website suchen.

filetype: – gezielt Dokumente finden.

-Begriff – bestimmte Ergebnisse ausschliessen.

Zum Beispiel:

"Max Mustermann" site:moneyhouse.ch

"Firma ABC" filetype:pdf

"Max Mustermann" site:linkedin.com

Das Wichtigste ist die Suchlogik:

Person → Firma → Adresse → Telefonnummer → frühere Firma → Marke → alter Firmenname → weitere Person.

So entsteht aus Googeln eine Recherche.


2. Moneyhouse: Oft besser für Vernetzungen

ZEFIX, Handelsregister und SHAB sind wichtig.

Aber wenn ich Zusammenhänge entdecken möchte, finde ich Moneyhouse oft praktischer.

Denn mich interessiert nicht nur:

Wer ist heute bei dieser Firma eingetragen?

Mich interessiert:

Wo tauchen diese Personen sonst noch auf?

Person A war bei Firma 1.

Dieselbe Person erscheint bei Firma 2.

Dort taucht Person B auf.

Person B war wiederum bei Firma 3.

Firma 3 wurde liquidiert.

Firma 4 hat dieselbe Adresse.

Bei Firma 5 erscheint wieder Person A.

Und plötzlich siehst du kein einzelnes Unternehmen mehr.

Du siehst ein Netzwerk.

Deshalb mein Prinzip:

Moneyhouse für Spurensuche und Vernetzung.

ZEFIX, Handelsregister und SHAB für die offizielle Verifizierung.


3. Nicht nur den aktuellen Firmennamen prüfen

Ein neuer Firmenname bedeutet nicht zwingend eine neue Gesellschaft.

Eine Firma kann übernommen worden sein.

Der Name kann geändert worden sein.

Der Sitz kann wechseln.

Der Geschäftszweck kann angepasst werden.

Neue Geschäftsführer können eingetragen werden.

Deshalb prüfe ich:

Wann wurde die Gesellschaft gegründet?

Wie hiess sie früher?

Wann erfolgte eine Umfirmierung?

Wann wechselte der Sitz?

Wann wurde der Zweck geändert?

Wann kamen die heutigen Personen dazu?

Gerade bei bestehenden Gesellschaften kann es vorkommen, dass sie kurz vor einem neuen Projekt übernommen und komplett neu positioniert wurden.

Das ist grundsätzlich legal und nicht automatisch verdächtig.

Für eine Risikoprüfung ist es trotzdem relevant.


4. Alte Firmennamen sind oft Gold wert

Wenn ich einen früheren Firmennamen finde, beginnt die Recherche praktisch von vorne.

Der heutige Firmenname hat vielleicht 30 Treffer.

Der alte Name 3'000.

Dann tauchen plötzlich auf:

alte Webseiten,

Branchenverzeichnisse,

Google-Einträge,

Bewertungen,

Social-Media-Seiten,

Stellenanzeigen,

Fotos,

Medienberichte,

alte Geschäftspartner.

Deshalb sind Umfirmierungen so interessant.

Nicht weil sie problematisch wären.

Sondern weil die Vergangenheit häufig unter einem anderen Namen gespeichert ist.


5. Wayback Machine: Wie sah die Website früher aus?

Webseiten werden laufend verändert.

Personen verschwinden von Teamseiten.

Firmen werden aus dem Impressum entfernt.

Telefonnummern werden ersetzt.

Marken ändern sich.

Mit der Wayback Machine lassen sich teilweise frühere Versionen einer Website ansehen.

Dann prüfe ich:

Welche Gesellschaft stand früher im Impressum?

Wer wurde als Founder bezeichnet?

Wer war Geschäftsführer?

Welche Telefonnummer wurde verwendet?

Welche Adresse?

Welche Partner?

Welche Referenzen?

Welche weiteren Unternehmen wurden genannt?

Danach vergleiche ich alte und aktuelle Versionen.

Das kann Zusammenhänge sichtbar machen, die heute nicht mehr offensichtlich sind.


6. Alte Google-Business-Einträge

Bei Restaurants, Detailhandel und anderen physischen Betrieben ist Google Maps besonders interessant.

Ich suche nicht nur nach dem aktuellen Namen.

Ich suche nach der Adresse.

Welche Betriebe waren früher dort?

Gibt es alte Rezensionen?

Beziehen sich ältere Bewertungen noch auf einen früheren Firmennamen?

Welche Fotos wurden hochgeladen?

Welche Beschriftung war damals sichtbar?

Welche Telefonnummer wurde verwendet?

Manchmal wurde ein bestehender Google-Eintrag über Jahre weitergeführt, obwohl der Betrieb oder die Gesellschaft dahinter wechselte.

Das kann für die zeitliche Einordnung interessant sein.


7. Google Street View

Auch Street View kann bei einer Prüfung helfen.

Je nach vorhandenem Bildmaterial sieht man:

welche Beschriftung am Gebäude war,

welcher Betrieb dort existierte,

welche Logos verwendet wurden,

ob sich ausser dem Namen überhaupt etwas verändert hat.

Ein Handelsregistereintrag zeigt die rechtliche Ebene.

Street View zeigt die physische.

Zusammen ergibt sich oft ein klareres Bild.


8. Social Media vergisst langsamer

Eine Website kann schnell verschwinden.

Social-Media-Spuren bleiben häufig länger erhalten.

Deshalb suche ich auch:

alte Firmennamen,

frühere Marken,

alte Facebook-Seiten,

Instagram-Accounts,

LinkedIn-Profile,

Personennamen,

Telefonnummern,

E-Mail-Adressen.

Und dann schaue ich zurück.

Wer wurde früher als Founder bezeichnet?

Wer wurde markiert?

Welche Firma trat auf?

Welche Personen waren bei Events dabei?

Welche anderen Unternehmen wurden verlinkt?

Welche Mitarbeiter tauchen später bei einer anderen Firma wieder auf?

Das Handelsregister zeigt, wer juristisch eingetragen ist.

Social Media kann Hinweise darauf geben, wer operativ tatsächlich auftritt.


9. Rezensionen als Frühwarnsystem

Google-Bewertungen interessieren mich nicht primär wegen der Sterne.

Mich interessieren Muster.

Berichten mehrere Personen unabhängig voneinander über ähnliche Probleme?

Tauchen Beschwerden über offene Rechnungen auf?

Beschreiben ehemalige Mitarbeitende ausstehende Löhne?

Gibt es wiederkehrende Hinweise auf schlechte Erreichbarkeit?

Tauchen ähnliche Aussagen beim Vorgängerunternehmen auf?

Werden immer wieder dieselben Namen erwähnt?

Gerade beim Schutz vor problematischen Geschäftspartnern oder möglicher Konkursreiterei können Rezensionen zusätzliche Hinweise liefern.

Aber wichtig:

Rezensionen sind keine Beweise.

Sie können falsch, emotional oder manipuliert sein.

Ich verwende sie deshalb als Hinweisgeber.

Die Frage lautet nicht:

„Ist diese Rezension wahr?“

Sondern:

„Gibt es hier ein Muster, das ich mit anderen Quellen überprüfen kann?“


10. Ein Konkurs ist noch kein Beweis für irgendetwas

Unternehmen scheitern.

Das gehört zur Wirtschaft.

Ein Konkurs kann viele Ursachen haben.

Deshalb sollte man niemals automatisch schliessen:

früherer Konkurs = unseriöser Geschäftspartner.

Interessanter werden Muster.

Zum Beispiel:

mehrere Firmen in relativ kurzer Zeit,

ähnlicher Geschäftszweck,

wiederkehrende Personen,

gleiche Adressen,

gleiche Marken,

Liquidation einer Gesellschaft,

kurz darauf Weiterführung eines ähnlichen Geschäfts unter einer anderen Gesellschaft,

gleichzeitig offene Forderungen bei verschiedenen Beteiligten.

Auch das beweist noch keine Konkursreiterei.

Aber für eine Risikoprüfung sind solche Muster relevant.


11. Ausland unbedingt mitprüfen

Eine Person kann in der Schweiz eine kurze Firmengeschichte haben.

Vielleicht war sie vorher jahrelang im Ausland tätig.

Dann sollte die Recherche nicht an der Schweizer Grenze aufhören.

Viele Länder verfügen über öffentliche Unternehmensregister.

Je nach Land können dort sichtbar sein:

frühere Firmen,

Direktoren,

Jahresabschlüsse,

Liquidationen,

Auflösungen,

historische Adressen,

eingereichte Dokumente.

Ich suche beispielsweise:

"Max Mustermann" company

"Max Mustermann" director

"Max Mustermann" insolvency

"Max Mustermann" liquidation

plus das jeweilige Land.

Danach suche ich nach dem offiziellen Unternehmensregister dieses Landes.

Teilweise sind solche Systeme bei historischen Verbindungen sogar hilfreicher als das, was wir aus der Schweiz kennen.


12. Eine einfache Tabelle macht Verbindungen sichtbar

Sobald die Recherche komplexer wird, reichen Browser-Tabs nicht mehr.

Dann erstelle ich eine Tabelle.

Zum Beispiel:

Person | Firma | früherer Name | Funktion | Zeitraum | Adresse | Status | Marke | Quelle

Danach sortiere ich.

Nach Person.

Nach Adresse.

Nach Firma.

Nach Jahr.

Und plötzlich werden Verbindungen sichtbar.

Person A war bei Firma 1.

Firma 1 hatte Adresse X.

Später taucht Firma 2 an Adresse X auf.

Person B war bei beiden.

Firma 3 verwendet dieselbe Marke.

Bei Firma 4 erscheint wieder Person A.

Das ist klassische Datenanalyse.

Nur angewendet auf Geschäftspartner.


13. KI kann enorm viel Zeit sparen

Hier wird es aus IT-Sicht besonders spannend.

KI kann bei solchen Recherchen helfen:

Firmennamen aus Dokumenten extrahieren,

Personen zuordnen,

Chronologien erstellen,

Adressen vergleichen,

Tabellen vorbereiten,

Widersprüche markieren,

Suchrichtungen vorschlagen.

Aber mein wichtigster Grundsatz lautet:

KI ist mein Rechercheassistent. Nicht meine Quelle.

Wenn eine KI behauptet, Person A sei früher bei Firma B gewesen, möchte ich den Registereintrag sehen.

Wenn sie einen Konkurs nennt, möchte ich die offizielle Meldung.

Wenn sie eine Verbindung erkennt, möchte ich wissen, worauf diese basiert.


14. Alles dokumentieren

Eine gute Recherche muss später nachvollziehbar sein.

Deshalb sichere ich relevante Informationen.

URL.

Datum.

Screenshot.

PDF.

Registerauszug.

SHAB-Meldung.

Archivierte Website.

Denn das Internet verändert sich.

Webseiten verschwinden.

Posts werden gelöscht.

Google-Einträge ändern ihre Namen.

Personen verschwinden von Teamseiten.

Wenn etwas später relevant wird, möchte ich nicht sagen müssen:

„Das stand damals irgendwo im Internet.“

Ich möchte zeigen können:

Das war die Quelle. Das war das Datum. Das war der Inhalt.


15. Die digitalen Red Flags mit den geschäftlichen Red Flags verbinden

Der wichtigste Punkt kommt am Ende.

Eine gute Due Diligence besteht nicht nur aus Registerrecherche.

Man muss die digitalen Informationen mit dem tatsächlichen Verhalten verbinden.

Wenn jemand keinen Businessplan hat,

keine belastbaren Zahlen nennt,

seine Finanzierung nicht erklären kann,

ständig von neuen Projekten spricht,

bereits beim ersten Projekt Rechnungen verspätet bezahlt,

Vorleistungen verlangt,

Entscheidungen ständig verschiebt,

und gleichzeitig eine auffällige Firmenhistorie sichtbar wird,

dann entsteht ein Gesamtbild.

Keine einzelne dieser Beobachtungen beweist Betrug.

Aber irgendwann muss man nicht mehr fragen:

„Kann ich beweisen, dass hier etwas nicht stimmt?“

Für eine geschäftliche Entscheidung reicht eine andere Frage:

„Ist mir dieses Risiko zu hoch?“

Und darauf darf die Antwort auch einfach Ja sein.


Meine 10-Minuten-Schnellprüfung

Nicht jeder neue Kunde braucht eine mehrstündige Recherche.

Aber bei einem etwas grösseren Auftrag würde ich mindestens Folgendes prüfen:

Aktuelle Firma bei Moneyhouse.

Personen dahinter.

Frühere Firmen.

ZEFIX beziehungsweise Handelsregisterstatus.

SHAB-Historie.

Google-Suche mit Namen in Anführungszeichen.

Alte Firmennamen.

Adresse.

Website.

Rezensionen.

Social Media.

Wenn dabei Auffälligkeiten auftauchen, gehe ich tiefer:

Wayback Machine.

Google Maps.

Street View.

Alte Social-Media-Accounts.

Ausländische Register.

Chronologie.

Netzwerk der beteiligten Personen und Firmen.


Wie viel Zeit kostet das?

Vielleicht 20 Minuten.

Vielleicht eine Stunde.

Bei komplexen Fällen auch mehrere Stunden.

Aber nehmen wir an, du sollst für einen neuen Geschäftspartner:

30 Stunden arbeiten,

externe Leistungen einkaufen,

Werbebudget vorfinanzieren,

Software bezahlen,

Mitarbeiter einplanen.

Dann hast du vielleicht 10'000 oder 20'000 Franken Risiko.

Und plötzlich wirkt eine zweistündige Recherche ziemlich günstig.

Die Frage lautet dann nicht mehr:

„Warum soll ich zwei Stunden dafür verschwenden?“

Sondern:

„Warum sollte ich 20'000 Franken riskieren, nur um zwei Stunden zu sparen?“


Und wie viele Nerven spart es?

Das ist die Position, die in keiner Buchhaltung auftaucht.

Keine zehn unbeantworteten E-Mails.

Keine täglichen Anrufversuche.

Keine Mahnungen.

Keine Diskussionen.

Keine Betreibung.

Kein Anwalt.

Keine Abende, an denen du darüber nachdenkst, ob du das Geld jemals siehst.

Auch das hat einen wirtschaftlichen Wert.


Fazit: Gute Due Diligence beginnt oft mit richtigem Googeln

Ob du eine Gewerbefläche vermietest.

Mit jemandem ein Restaurant eröffnest.

Eine Kooperation planst.

Einen grossen Kunden annimmst.

Oder als Agentur erhebliche Vorleistungen erbringst.

Je grösser dein Risiko, desto mehr solltest du wissen, mit wem du es tatsächlich zu tun hast.

Ein Handelsregistereintrag allein reicht dafür nicht.

Eine schöne Website auch nicht.

Und eine überzeugende Präsentation schon gar nicht.

Ich möchte wissen:

Wer sind die Personen?

Welche Firmen gab es vorher?

Welche Namen wurden geändert?

Welche Gesellschaften wurden übernommen?

Welche Firmen gingen in Liquidation?

Welche Adressen wiederholen sich?

Welche Marken tauchen erneut auf?

Was zeigen alte Webseiten?

Was findet man bei Google Maps?

Was zeigt Street View?

Was berichten Rezensionen?

Welche Spuren liegen auf Social Media?

Welche Geschichte findet man im Ausland?

Und vor allem:

Passt die Geschichte, die mir erzählt wird, zu den Daten, die ich selbst finde?

Wenn ja: perfekt.

Dann hat mir die Due Diligence vielleicht einfach Sicherheit gegeben.

Wenn nein:

Dann waren zwei oder fünf Stunden Recherche möglicherweise die günstigste Versicherung des gesamten Projekts.

Denn der beste Schutz vor einem problematischen Geschäftspartner ist nicht die perfekte Mahnung.

Nicht die beste Betreibung.

Und nicht der teuerste Anwalt.


Der beste Schutz ist, die Red Flags zu sehen, bevor aus einem vermeintlich grossartigen Deal dein nächstes Problem wird.

 
 
 

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